Der „Draufzahlpatient“

„Der Draufzahlpatient“ ist es ein anonymisierter Beitrag eines Melanom- Patienten aus unserer Onlinegruppe, den wir veröffentlichen dürfen. Vielen Dank dafür!

„Heute war ich erstmalig zur Sonographie in einer Radiologiepraxis vor Ort, da unser Hauttumorzentrum das nicht macht und der Meinung ist, dass ich das nicht brauche, da alle drei Monate Bildgebung gemacht wird.

Mein Dermatologe, der die Hautkontrolle im Rahmen der Nachsorge macht, gab mir jedoch eine Überweisung zur Sonographie, weil er der Meinung ist, die Nachsorge solle doch bitte leitliniengerecht sein.

Der sehr nette Arzt, der das Ultraschall machte, sagte mir dann, dass diese Untersuchung Aufgabe des Tumorzentrums sei und dass die Praxis überlege, Patienten wie mich nicht mehr anzunehmen.“

Alles eine Sache des Geldes?

„Der Arzt meinte, dass sie schon einsehen würden, dass die Patienten keine Schuld hätten, aber die Praxis für die Ultraschalluntersuchung lediglich 4,50€ vergütet bekommt.

Der Dermatologe bekommt auch nur knapp 15€ für die vierteljährliche Nachsorgeuntersuchung meiner Haut, das Dermatoskop bezahle ich sogar als Hautkrebspatient extra.

Ich bin da echt genervt und man fühlt sich nicht wirklich gut, wenn man weiß, ein Draufzahlpatient zu sein.

Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll und wer nun wirklich für meine Tumornachsorge zuständig ist.

Immerhin habe ich ein malignes Melanom im Stadium 4, das heißt ich habe Metastasen. Meine Krebstherapie kostet die Krankenkasse echt viel Geld und bei der Nachsorge passt es vorne und hinten nicht. Man wird von A nach B geschoben und keiner will einen haben?!

Ich habe keine Lust und keine Kraft die nächsten Jahre immer wieder in solche Diskussionen verwickelt zu sein.“

Die Höhe der Vergütung von ärztlichen Leistungen darf nicht zum Problem der Patienten werden.

Wir Patienten haben durchaus jedes Verständnis für unsere Ärzte, von deren Fähigkeiten unser Leben auch mit abhängt.

In unserem Interesse ist auch, dass Ärzte angemessen für ihre Leistungen bezahlt werden. Denn wenn sie das nicht werden, wird es für uns Patienten immer schwieriger überhaupt jemanden zu finden, der unsere Nachsorge übernimmt- sei es die Untersuchung der Haut beim Dermatologen, oder das Ultraschall in einer Radiologiepraxis. Von dem miesen Gefühl, mit einem schlechten Gewissen zur Nachsorge zu gehen, weil so wenig bezahlt wird, mal ganz abgesehen. Und ja, es gibt Ärzte, die Patienten dieses Gefühl vermitteln.

Der Beitrag steht nur exemplarisch für viele ähnliche Berichte im Lauf der letzten Jahre.

EBM- Ziffer für die Hautuntersuchung im Rahmen der Nachsorge

Seit Jahren fordern wir immer wieder eine eigene EBM- Abrechnungsziffer für die Nachsorgeuntersuchung der Haut!

Wenn diese Untersuchung gewissenhaft ausgeführt wird, ist sie zeitintensiv, denn untersucht werden soll laut Leitlinien die gesamte Haut- von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen, alle Körperfalten und einsehbaren Schleimhäute. Es sollen auch die Lymphknoten und Lymphbahnen abgetastet werden. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass für diese umfangreiche, für uns Hautkrebspatienten überlebenswichtige Untersuchung keine Abrechnungsziffer vorhanden ist.

Es wird immer schwieriger Dermatologen zu finden, die Hautkrebs- Patienten annehmen. Viele von uns müssen die Nachsorge aus eigener Tasche bezahlen, um überhaupt untersucht zu werden.

Erwähnenswert ist hier vielleicht, dass uns das Interesse an einer angemessenen Bezahlung der Ärzte im Rahmen der Podiumsdiskussion auf der NVKH von der Vertreterin der Deutschen Krebshilfe abgesprochen wurde. Sie hat einen kritischen Kommentar von Patientenseite dazu abgewürgt, mit der Bitte um Respekt und Rücksicht für die anwesenden Patienten. Ob sie überhaupt bemerkt hat, dass die Wortmeldung von Patientenseite kam? Ist es tatsächlich so schwer vorstellbar, dass angemessene Bezahlung von Ärzten absolut in unserem Interesse ist?

Bildquelle: Canva Pro

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